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20.3.2010 : 15:44 : +0100

Von einem Nabelschnurvorfall

...spricht man, wenn nach gesprungener Fruchtblase die Nabelschnur vor den führenden kindlichen Teil zu liegen kommt. Sie kann dabei auch aus der Scheide herausragen. Die Gefährlichkeit des Vorfalls liegt in der Unterbrechung der Blutzirkulation durch Einklemmung der Nabelschnurgefäße zwischen vorangehendem Kindsteil und Beckenkanal. Aus der Unterbrechung der Blutzirkulation geht so die tödliche Gefahr für das Kind aus, wenn nicht unmittelbar die Entbindung folgt, oder die Nabelschnur reponiert wird.
Für eine erfolgreiche Reposition der Nabelschnur ist notwendig, dass nach der Reposition der vorangehende Kindsteil die Gebärmutteröffnung derart abdichtet, dass es nicht zu einem erneutem Vorfall kommen kann. Die Kindeslage spielt deshalb für den Erfolg der Operation eine wichtige Rolle. G. Winter beurteilte 1927 die Aussichten der Reposition der Nabelschnur bei den einzelnen Kindeslagen folgendermaßen:

Rundgang

Nabelschnurrepositorium

Nabelschnurrepositorium mach J. V. Schöller

auch Omphalosoter genannt

"Bei Querlage ist eine Reposition der Nabelschnur aussichtslos, da die vorliegende Schulter das untere Uterinsegment nicht ausreichend abdichtet, um einen erneuten Vorfall zu verhindern. Im Vordergrund sollte bei Querlage die Wendung und Extraction des Kindes stehen... Bei Fußlage ist die Abdichtung des unteren Uterinsegmentes ebenfalls unvollkommen und die Reposition der Nabelschnur ein aussichtsloses Unterfangen, im Vordergrund steht bei Fußlage die Extraktion... Bei Steißlage sollte eine Reposition vorgenommen werden, die Aussichten für einen Erfolg stehen wegen der guten Abdichtung durch den Steiß weitaus günstiger als in Fußlage. Wenn sie misslingt, sollte ein Fuß heruntergeschlagen werden, um wenigstens den Druck auf die Nabelschnurgefäße zu verringern... Bei Schädellage soll bei gewissem Grad der Beweglichkeit des Kopfes die Nabelschnur sogar bis auf den Rumpf geschoben werden, die Reposition hat in dieser Lage die günstigsten Aussichten."

Nach Winter sollte die Reposition bei ausreichend eröffnetem Muttermund immer mit der Hand vorgenommen werden. Die Hand sollte nach der Reposition nicht auf gleichem Wege die Fruchthöhle verlassen, sondern um das Kind herum gleiten und an anderer Stelle zurückgezogen werden. Die Nabelschnur könnte ihr sonst folgen. Winter lehnte den Einsatz jeglichen Instrumentarium zur Nabelschnurreposition ab, um in den beengten Verhältnissen des Geburtskanals Verletzungen vorzubeugen.

Auf eine dauerhafte Nabelschnurreposition war man im 19. Jahrhundert angewiesen, da die Geburt ja vaginal weitergeführt wurde (werden musste). Heute wird die Nabelschnur für kurze Zeit mit der Hand reponiert und/oder der vorangehende Teil unter Wehenhemmung zur Überbrückung bis zum Kaiserschnitt nur "hochgeschoben".


Die Nabelschnur wurde in die Öse eingehängt, diese durch Zurückschieben des einen Stabes geschlossen und die Nabelschnur so zurückgeleitet. (Nabelschnurrepositorium nach J. V. Schöller)