Instrumente zur Dilatation des Muttermundes und der Gebärmutterhöhle

- Dilatation mit dem Instrument von D.W.H. Busch
Für die mechanische Aufdehnung des Muttermundes gab es eine Reihe verschiedener Indikationen:
- ein in der Eröffnungsperiode unnachgiebiger Gebärmutterhals
- die Einleitung einer künstlichen Fehl- oder Frühgeburt oder
- die rasche Beendigung der Geburt bei Gefahr für Mutter oder Kind.
Die künstliche Frühgeburt zum Beispiel leitete man ein, um kleine Früchte mit weichen Köpfen zu erhalten und so den mechanischen Schwierigkeiten einer Beckenenge zu begegnen. Natürlich war auch dieses Verfahren nur begrenzt einsetzbar, die Beckenenge durfte ein Mindestmaß nicht unterschreiten, und der Zeitpunkt des Eingriffs in die Schwangerschaft musste richtig gewählt werden. Fasbender schreibt 1906 hierzu:
"Von wesentlichem Einfluss auf den schließlichen Erfolg ist der Zeitpunkt der für die Einleitung der Frühgeburt gewählt wird. Die vorzeitig geborenen Kinder mit ihren noch nicht ausgereiften Zirkulations-, Atmungs-, Verdauungsorganen sind den Einwirkungen der Außenwelt gegenüber viel weniger widerstandsfähig und gehen, selbst bei guter Pflege, leicht zugrunde. Wer gute Resultate erzielen, d.h. nicht nur Kinder erhalten will, die lebend zur Welt kommen, sondern auch solche, die weiterleben können, wird daher die Unterbrechung der Gravidität nicht vor der 34. Woche vornehmen dürfen. Am besten ist es, wenn bis zur 36. Woche gewartet werden kann."
Neben der Dilatation des Muttermundes bis zu einer Weite, die die Entwicklung eines Kindes erlaubte, gab es noch vorbereitende Dilatationen, bei denen der Muttermund nur ein wenig voreröffnet wurde, z.B. für den Einsatz größerer Dilatatoren, wie den Metreurynter und den Bossischen Dilatator oder die Verwendung einer
Kopfschwartenzange am kindlichen Kopf; außerdem zum Einsatz von nicht geburtshilflichem Instrumentarium z.B. für eine Ausschabung oder eine Ausschälung von Myomen der Gebärmutterhöhle.
Die Dilatationsmethoden lassen sich unterscheiden in
dehnende (unblutige) und
schneidende (blutige) Methoden.
Zu den dehnenden wird gezählt:
- die manuelle Aufdehnung des Gebärmutterhalses
- die Dilatation mit dem Gummiballon (Metreuryse)
- die Aufdehnung mit Hegar-, Laminaria- und Tupeolstiften oder mit Pressschwämmen, außerdem
- die Aufdehnung mit dem Bossischen Dilatator.
Zur schneidenden Dilatation gehören z.B.:
- die Portioinzision (bis an das Scheidengewölbe)
- die tiefe (mediane) Zervixinzision und
- der vaginale Kaiserschnitt.
Die Methoden charakterisieren sich vor allem durch die Dilatationsdauer. Eine Dehnung des Muttermundes muss eigentlich langsam und kontinuierlich geschehen, damit es nicht zu Zerreißungen des Gewebes kommt. Gemächlichkeit bei der Dilatation war nur bei stabilem Zustand der Mutter und der Frucht angezeigt so z. B. bei künstlichen Frühgeburten oder bei Ausschabungen. Bei akuter Gefahr, wie zum Beispiel drohender Eklampsie der Kreißenden, war die schnellste Methode die Schwangerschaft zu beenden der vaginale Kaiserschnitt. Da die Operation allerdings das aseptische Umfeld einer Klinik verlangte, war diese schneidende Methode dem Praktiker versagt. Dieser musste auf unblutige Dilatation wie den Ballon oder die Dehnung mit dem Kindskörper selbst zurückgreifen. Diese Methoden allerdings provozierten oder verstärkten die Wehentätigkeit, was bei einer schwierigen Geburt die Gesundheit der Mutter weiter gefährden konnte.
Einige Dilatatationsmethoden, so vor allem die schneidenden Methoden der Zervixincisionen standen im Zeichen des "Accouchement forcé", der "erzwungenen" oder beschleunigten Geburt und sind wahrscheinlich aus dem übertriebenen operativen Eifer bestimmter geburtshilflicher Schulen im ausgehenden 19. Jahrhundert zu erklären.

