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19.3.2010 : 10:46 : +0100

Die Färbung des Fruchtwassers

...gab dem Geburtshelfer Hinweise auf den Zustand des Feten. Normalerweise sah er milchig-trübes Fruchtwasser aus dessen Gehalt an Vernixflocken er sogar eine Aussage über die kindliche Reife machen konnte: stark vernixhaltiges Fruchtwasser zeigte ihm einen reifen Feten an. Bei Blutgruppenunverträglichkeit im Rhesus-System stieß er auf gelbliches Fruchtwasser. Fleischfarbenes Fruchtwasser deutete auf den intrauterinen Fruchttod hin. An durch Mekoniumabgang grün gefärbtem Fruchtwasser erkannte der Geburtshelfer, dass das Kind einen Sauerstoffmangel erlitten hatte oder gerade erlitt und somit ein möglicher Gefährdungszustand vorlag. Grünes Fruchtwasser war in der Ära der Amnioskopie ein Grund, das Kind intensiver zu überwachen oder die Geburt einzuleiten. Die Amnioskopie wurde in den letzten vier Schwangerschaftswochen durchgeführt, wenn sich aus der Untersuchung der Schwangeren ein Hinweis auf eine mögliche Sauerstoffmangelversorgung des Kindes ergab.

Rundgang

Amnioskop mit Skala

Amnioskop mit Skala

zerlegt

Amnioskop

kurze Bauform

Amnioskop

kurze Bauform, zerlegt

Amnioskope

in verschiedenen Durchmessern


Die Amnioskopie wurde 1961 von E.Saling in die geburtshilfliche Diagnostik eingeführt. Mit dem Amnioskop konnte das Fruchtwasser durch die Eihäute hindurch betrachtet werden. Dazu wurde das Gerät durch den Muttermund bis zur Fruchtblase vorgeschoben, was nur in der Nähe des Geburtstermins möglich war.

Die wichtigsten Indikationen waren Gestose der Mutter, Terminüberschreitung und Verdacht auf eine Plazentainsuffizienz. Die Methode ergänzte das Abhören der Herztöne. Das Risiko der unbeabsichtigten Blaseneröffnung oder der Wehenauslösung vor Termin wurde gering mit 1-3% angegeben, die Wehenauslösung am Termin oder bei Terminüberschreitung (bis 25%) wurde als gewünschter Effekt sogar gerne in Kauf genommen [84]. Seit Mitte der 90iger Jahre jedoch ist die Amnioskopie in Greifswald wie auch in vielen anderen Einrichtungen vollständig durch die elektronische Herzfrequenzüberwachung und durch sonographische Kontrollen ersetzt worden.